Jugend debattiert

Die offene Gesellschaft braucht eine offene Debattenkultur.
Das vermittelt "Jugend debattiert." Horst Köhler, seinerzeit Bundespräsident und Schirmherr des Wettbewerbs

Am Wettbewerb "Jugend debattiert" nahm das Viktoria-Gymnasium im Schuljahr 2005/06 zum ersten Mal teil und das gleich mit Erfolg. Marie Schauries aus der Klasse 9a qualifizierte sich auf Anhieb für die Qualifikationsrunde zum Landesfinale. Fünf Jahre später schaffte es Laura Lindemann aus der Klasse 9c sogar bis ins Finale des Bundeswettbewerbs in Berlin, wo sie mit ihrem 2. Platz nur knapp den Bundessieg in ihrer Altersklasse verpasste.

Was müssen die Beteiligten leisten? Eine Klasse oder Gruppe, die teilnehmen möchte, lernt zunächst, eine Debatte zu führen. Das bedeutet, nach klaren Regeln Positionen und Gegenpositionen zu formulieren und eine Antwort auf die Debattenfrage zu geben. Nehmen wir ein Beispiel!

Ein Debattenthema im Schuljahr 2005/06 lautete: "Soll die Haltung exotischer Wildtiere in öffentlichen Zoos verboten werden?" Auf diese Frage muss man entweder mit "ja" oder "nein" antworten. Daraus ergibt sich die Einteilung der Debattanten: Je zwei vertreten die Pro- und die Contra-Position. Zu Beginn haben alle vier eine "Eröffnungsrede" zu halten: Diese dauert zwei Minuten und endet mit der klaren Aussage: "Aus diesem Grund bin ich dafür oder dagegen."
Alle vier haben nun genügend Stoff gesammelt um jetzt 12 Minuten lang eine "freie Aussprache" zu führen. Diese wird nicht moderiert, die vier müssen selber entscheiden, wie dieser Teil ablaufen soll. Dass am Ende nicht diejenigen die Sieger sind, die alle anderen in Grund und Boden geredet haben, ist leicht einzusehen. Es geht nämlich u.a. darum, Argumente der Gegenseite aufzunehmen und in die eigene Position einzubauen.
Der dritte Teil ist die "Schlussrede". In einer Minute ist ein Abschlussstatement abzugeben, das deutlich macht, wie die Debatte die eigene Position beeinflusst hat. Nach 24 Minuten ist alles vorbei. Ein Zeitnehmer wacht darüber, dass diese Regeln eingehalten werden.

Hat eine Klasse dieses eingeübt, wird es ernst. Jede Klasse bestimmt zwei aus ihrer Mitte, die sich im Schulverbund präsentieren. Zur Zeit gehören das Helmholtzgymnasium, die Gesamtschule Holsterhausen und das Viktoria-Gymnasium zum Schulverbund Essen. Zwei aus jeder Altersgruppe (Klasse 8-10 und Stufe 11-13) qualifizieren sich für die Landesebene. In Berlin findet jeweils im Mai oder Juni das Bundesfinale statt, bei dem dann auch der Bundespräsident anwesend ist.

Was bringt es denn nun, an "Jugend debattiert" teilzunehmen, auch wenn die Sieger nicht aus unserer Schule kommen? Eine ganze Menge. Bewertet werden Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Die Verantwortlichen drücken das so aus: Die Ziele sind:

Jugend debattiert bietet Regeln und Kriterien, an denen sich die Schule orientieren kann. Jugend debattiert will so zur Verbesserung des Unterrichts und zur Erneuerung des Bildungswesens beitragen.