In Zeiten von SMS & Chat scheint man mit immer weniger Sprache auszukommen. Anstelle des schwer verständlichen (und noch schwerer zu formulierenden) Satzes "Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist das ein Brille tragender Raucher und das finde ich überaus amüsant" genügt heutzutage ein schlichtes "8-Q IMHO xD" um den gleichen Sachverhalt auszudrücken. Spätestens aber, wenn es ans Argumentieren und Begründen geht, kommt man mit Emoticons und Akronymen nicht mehr weit. Hier braucht man "richtige Sprache" und muss gelernt haben, diese auch geeignet einzusetzen.
Darum geht es unter anderem beim Wettbewerb "Jugend debattiert" für die Klassen 8-10, an dem das Viktoria-Gymnasium in den letzten Jahren wiederholt - mit großem Erfolg! - teilgenommen hat. Durch die Vorbereitung auf den Wettbewerb und natürlich den Wettbewerb selbst werden nicht nur sprachliche Fähigkeiten im Bereich des Argumentierens und Debattierens gefördert, man erweitert auch seinen Horizont durch die intensive Beschäftigung mit aktuellen gesellschaftlichen und/oder politischen Fragestellungen. Mehr über "Jugend debattiert"...
Nicht ums Reden, sondern ums Schreiben geht es beim Projekt "Zeitung und Schule" (Zeus), das alljährlich im Frühjahr in Zusammenarbeit mit der WAZ durchgeführt wird. Über einen Zeitraum von 7 Wochen wird tagtäglich ein Packen druckfrischer Ausgaben angeliefert, von den Schülerinnen und Schülern der Klasse 8 gelesen und verarbeitet. Im Rahmen des Deutschunterrichts werden eigene Artikel recherchiert, verfasst und - wenn man Glück hat - auch in einer Ausgabe der WAZ veröffentlicht. Was dabei herauskommen kann, zeigt das folgende Beispiel:
Gemeinsames Lernen
Zwei Studenten entwickeln mit Viktoriaschülern eine Zeitung. Dabei beeindrucken die Kleinen die Großen mit ausgefallenen Ideen. Und die Kinder bleiben für das Projekt gerne länger in der Schule.
Die Schulglocke schellt nach der sechsten Stunde. Die Schüler der Viktoriaschule strömen auf den Fluren dem Ausgang entgegen. Nach wenigen Minuten ist die Schule leer. Nur aus einem Klassenraum der fünften Klasse hört man noch fröhliche Kinderstimmen.
Wir öffnen die Tür und sehen acht begeisterte Kinder und zwei junge Studenten, die emsig arbeiten. Sie sind dabei, eine Zeitung für die Unterstufe zu schreiben. Dies ist ein Indive-Projekt.
Doch was steckt dahinter? Das Wort Indive setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von individualisieren, differenzieren und vernetzen zusammen. Die Schüler erhalten beim Indive-Projekt individuelle Lernförderung, außerdem soll das Projekt eine Brücke zwischen Schule und Hochschule, Wissenschaft und Praxis sein.
In diesem Fall lernen die Schüler der Viktoriaschule, wie man eine Schülerzeitung entwickelt. Doch nicht nur die Schüler lernen etwas, sondern auch die Erwachsenen, so Christina Rietzerfeld (23). Sie studiert im zweiten Semester Lehramt. "Man kann viel von den Kindern lernen, denn manchmal kommen sie auf Ideen, an die man selbst vorher nie gedacht hätte."
Auch die jungen Reporter sind begeistert. Niklas (11) erzählt: "Mir macht es Spaß, wenn ich etwas schreibe und es danach in der Schülerzeitung steht." Doch es werden nicht nur Artikel geschrieben. Den Kindern werden in ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. So können sie auch für die Zeitung Bilder malen, Interviews schreiben, Rätsel erfinden und vieles mehr. Auch Annika (11) und Selina (11) macht das Projekt Spaß: "Hier kann man auch mal Unsinn machen und es wird auch viel gelacht." Zurzeit schreiben sie noch an der Geschichte "Party im Lehrerzimmer".
Das Indive-Projekt an der Viktoriaschule begann im April und wird bis Juli dauern. Schon jetzt haben die Studenten einen guten Eindruck von der Viktoriaschule bekommen. Christopher Wodopia (21) sagt: "Die Viktoriaschule ist für alles offen, so ist die Schule sehr an alternativem Lernen interessiert, wie zum Beispiel Freiarbeit oder das Indive-Projekt." Außerdem dürfen die Schüler ihre Schule selbst mitgestalten, zum Beispiel durch Kunstwerke wie Bilder, Fotos, Skulpturen, Wandgraffitis und vieles mehr. Dass alle Beteiligten Begeisterung ausstrahlen, ist jedenfalls unübersehbar.
Leonie Wöhrle und Christina Krusche Klasse 8l, Viktoriaschule
Veröffentlicht in der WAZ vom 16.05.2008