Versetzung in Gefahr

Die Schule hat ihren Unterricht so zu gestalten und die Schülerinnen und Schüler so zu fördern, dass die Versetzung der Regelfall ist. § 50(3) SchulG

Damit dies gelingen kann, müssen Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern rechtzeitig darüber informiert werden, dass der "Regelfall" möglicherweise nicht eintritt, die Versetzung gefährdet ist und entsprechend gehandelt werden muss. Dabei sind zwei Fälle zu unterscheiden:

Fall 1: Halbjahreszeugnis mit nicht-ausreichenden Noten

Ist die Versetzung einer Schülerin oder eines Schülers auf Grund der Leistungen im ersten Schulhalbjahr gefährdet, weist ein Vermerk im Halbjahreszeugnis darauf und auf etwaige Folgen einer Nichtversetzung (Überschreiten der Verweildauer, Schulformwechsel) hin. Ein fehlender Vermerk begründet keinen Anspruch auf Versetzung. § 7(3) APO-S I

Darüber hinaus erhalten die Eltern in diesem Fall zusätzliche Informationen durch die Lern- und Förderempfehlungen sowie einen gemeinsam mit den Eltern in einem Beratungsgespräch entwickelten Förderplan:

Die Schülerin oder der Schüler erhält eine individuelle Lern- und Förder­empfehlung neben dem Halbjahreszeugnis, wenn die Versetzung, der ange­strebte Abschluss oder der Verbleib an der bisherigen Schulform gefährdet ist. Die Schule erstellt einen individuellen Förderplan und bietet den Eltern ein Beratungsgespräch an. § 7(5) APO-S I

Bei dieser Lern- und Förderempfehlung handelt es sich um ein Formblatt, auf dem der jeweilige Fachlehrer (des Faches, in dem die Leistungen nicht aus­rei­chend waren) notiert, wo die Defizite liegen und was getan werden kann, damit die Leistungen in diesem Fach besser werden. Das Kind erhält dieses Formblatt gemeinsam mit dem Halbjahreszeugnis vom Klassenlehrer. Die Lern- und Förderempfehlung enthält außerdem die Einladung an die Eltern, gemeinsam mit ihrem Kind zu einem Beratungsgespräch mit dem Fachlehrer bzw. dem Klas­sen­lehrer in die Schule zu kommen. Ziel dieses Gesprächs ist die gemeinsame Entwicklung von konkreten Fördermaßnahmen für das Kind, so dass die Versetzung am Schuljahresende geschafft werden kann. Diese Förder­maß­nahmen werden in Gestalt eines individuellen Förderplans schriftlich fest­gehalten.

Fall 2: Halbjahreszeugnis ohne nicht-ausreichende Noten

Ist die Versetzung einer Schülerin oder eines Schülers gefährdet, weil die Leistungen in einem Fach abweichend von den im letzten Zeugnis erteilten Noten nicht mehr ausreichen, so sind die Eltern schriftlich zu benachrichtigen. Auf etwaige besondere Folgen einer Nichtversetzung der Schülerin oder des Schülers ist hinzuweisen. § 50(4) SchulG

Diese "schriftliche Benachrichtigung" – in früheren Jahren in blauen Umschlägen verschickt und darum bis heute als "blaue Briefe" bekannt – geht den Eltern mehrere Wochen vor dem Versetzungstermin per Post zu. Der Termin für die Absendung dieser so genannten "Warnungen" ist festlegt und kann dem Terminplan entnommen werden.

"Etwaige besondere Folgen" sind zum Beispiel der mit der Nichtversetzung verbundene Nichterwerb eines bestimmten Abschlusses oder ein erforderlicher Schulwechsel im Falle einer zweiten Wiederholung (s.u.).

Hat die Schule die Eltern nicht benachrichtigt, so kann daraus kein Anspruch auf Versetzung hergeleitet werden. Unterbleibt die Benachrichtigung, obwohl ein Fach oder mehrere Fächer hätten abgemahnt werden müssen, werden Minderleistungen in einem Fach bei der Versetzungsentscheidung nicht berücksichtigt. § 50(4) SchulG

Folgen der Nichtversetzung

Schülerinnen und Schüler, die nicht versetzt werden, wiederholen die bisher besuchte Klasse oder Jahrgangsstufe. Eine zweite Wiederholung [derselben Jahrgangsstufe!] ist in der Regel nicht zulässig. § 50(5) SchulG

Ab dem Ende der Jahrgangsstufe 7 ist trotz Nichtversetzung eine nachträgliche Versetzung möglich, wenn die Bedingungen zur Teilnahme an einer Nachprüfung gegeben sind und diese Nachprüfung bestanden wird.

In jedem Fall erhalten Schülerinnen und Schüler im Falle der Nichtversetzung ebenfalls eine Lern- und Förderempfehlung (vgl. § 50(3) SchulG).